Siegfried NASS Logo

News

BIM in der Elektrotechnik: Die Sicht des Ausführenden

Hamburg

4 Min. Lesezeit

KI-generierte Visualisierung: geteilter Blick auf eine Technikdecke, links das 3D-Montagemodell mit Kabeltrassen, rechts die fertige Installation aus demselben Blickwinkel

Vom Planer kommt ein Modell. Darin liegen Wände, Decken, Lüftungskanäle, Heizungsrohre, und irgendwo dazwischen die Trassen für die Elektrotechnik, so wie der Fachplaner sie vorgesehen hat. Was jetzt passiert, entscheidet darüber, ob BIM auf der Baustelle ankommt oder im Planungsbüro bleibt. Bei uns beginnt an dieser Stelle die eigentliche Arbeit mit dem Modell.

Über Building Information Modeling wird viel geschrieben, meistens aus Sicht derer, die Modelle erstellen: Architekten, Fachplaner, Softwarehersteller. Aus Sicht derer, die danach bauen, ist es deutlich stiller. Dabei ist die Ausführung der Ort, an dem sich zeigt, was ein Modell wert ist. Ein Kabelkanal, der im Modell kollisionsfrei liegt, muss auch an der Decke kollisionsfrei liegen, und einen Bohrpunkt, der im Modell auf den Millimeter stimmt, muss auf der Baustelle jemand finden.

Von der Ausführungsplanung zur Werk- und Montageplanung

Was wir vom Fachplaner erhalten, ist die Ausführungsplanung: Sie legt fest, was gebaut wird, welche Verteilungen, welche Trassen, welche Systeme. Was sie nicht festlegt, ist, wie wir es bauen. Das ist unsere Werk- und Montageplanung, und sie ist der Schritt, in dem aus einer Planung eine Montageanweisung wird. Wir prüfen, ob die Aufteilung der Verteilungen zum Grundriss passt, ob die Trassenführung mit dem Brandschutzkonzept zusammengeht, ob die Beleuchtung in Fluchtwegen die geforderten Werte erreicht, wo Brandmelder tatsächlich hängen können, wenn die Lüftung dort einen Auslass hat. Wir legen Befestigungspunkte fest, Kabellängen, Einbaulagen, Montagereihenfolgen.

Bei BIM-Projekten machen wir das im Modell. Aus dem Fachmodell Elektro des Planers wird unser Montagemodell: Trassen werden mit realen Abmessungen und Befestigungen ausdetailliert, Verteiler mit ihren tatsächlichen Maßen platziert, Durchbrüche mit den anderen Gewerken abgestimmt. Das klingt nach mehr Aufwand, und am Anfang ist es das auch. Es verschiebt die Arbeit nur an eine Stelle, an der sie günstiger ist: Ein Konflikt zwischen Kabeltrasse und Lüftungskanal kostet im Modell eine halbe Stunde und auf der Baustelle einen Tag, eine Umplanung und einen Nachtrag.

Was das Modell auf der Baustelle leistet

Der zweite Teil ist der, an dem sich BIM für uns bezahlt macht. Aus dem Montagemodell nehmen wir die Bohrpunkte mit auf die Baustelle. Ein Absteckgerät projiziert sie aus dem Modell an Decke und Wand; ein Monteur allein kann damit einen Raum in einem Bruchteil der Zeit einmessen, die es mit Maßband und Schlagschnur gebraucht hätte, und jeder Punkt lässt sich auf das Modell zurückführen. Die Mengen für die Materialbestellung stammen aus demselben Modell wie die Montageplanung; sie stimmen also mit dem überein, was tatsächlich gebaut wird. Und die Baudokumentation, bei uns als 360-Grad-Rundgang aufgenommen, lässt sich mit dem Modell abgleichen: Was liegt hinter dem Putz, wo weicht die Ausführung ab, was muss in die Bestandsdokumentation.

BIM ist kein Modell. Es ist die Entscheidung, das Gebäude einmal zu bauen, bevor man es baut.

Unter Strom. Für Innovation.